Volume 150, Number 12, 1502-1507, DOI: 10.1007/s00112-002-0425-z

Einwilligungsfähigkeit bei Kindern
Ergebnisse einer empirischen Studie und zukünftige Forschungsperspektiven

Informed assent in children. Results of an empirical study and perspectives for future research

A. Lohaus, R. Albrecht and H.W. Seyberth

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Abstract

Hintergrund. Die vorliegende Forschungsliteratur zu Krankheitskonzepten von Kindern bezieht sich weit überwiegend auf die kognitive Theorie Piagets.Daher wurde diese Theorie zugrunde gelegt,um Items zu generieren, die eine Differenzierung zwischen Kindern mit einem fortgeschrittenen und einem weniger fortgeschrittenen Krankheitsverständnis erlauben. Es wurde dabei angenommen,dass ein konkret-operationales Denken zumindest in einfachen Entscheidungssituationen eine Mindestvoraussetzung für eine informierte Einwilligung von Kindern in Medikamentenstudien ist.Neben Items zum Krankheitsverständnis enthält das Erhebungsinstrument zusätzlich Items zur kindlichen Behaltensfähigkeit.
Studie. 140 Kinder der 3.–5.Klasse nahmen an einer Studie zu einer ersten Analyse des Erhebungsinstruments teil. Die Ergebnisse zeigten deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Schülern der 3. und 4. Klasse, während in den nachfolgenden Klassenstufen keine weiteren Leistungszuwächse erzielt wurden.Es zeigten sich weiterhin Hinweise auf Einflüsse des besuchten Schultyps, wobei insbesondere Gymnasiasten im Vergleich zu Hauptschülern signifikant höhere Leistungen aufwiesen. Krankheitsvorerfahrungen wirkten sich tendenziell bei den jüngeren Schülern günstig auf das Krankheitsverständnis aus.Die Befunde belegen, dass in einfachen Entscheidungssituationen mit Erreichen der 4.–5. Klasse hinreichende Kompetenzen für eine Einwilligungsentscheidung vorliegen,wobei der Zeitpunkt je nach Schultyp und Krankheitsvorerfahrungen auch früher erreicht sein kann.
Resümee. Da die vorliegende Studie lediglich als Pilotstudie zu verstehen ist,wird im abschließenden Teil dieses Beitrags auf mögliche Schritte zur Weiterentwicklung des Erhebungsinstruments eingegangen.
Background. The present research on conceptions of children about illness is mainly related to the cognitive theory of Piaget. Thus, this theory was used as a basis to generate items which differentiate between children with an advanced and a less advanced understanding about illnesses. It is assumed that a concrete operational thinking is the minimum requirement for an informed assent by children to participate in a clinical trial, at least if easy decisions are required.Besides items on the understanding of illnesses, the standardized interview developed in this study contains additionally items on the capacity to remember medical information.
Results of the study. One-hundred-forty children of grades 3 to 5 participated in the present study.The results show clear performance differences between children of grades 3 and 4, but no additional progress beyond this grade.Moreover, the results indicate effects of the school type with significant better performances in children with higher levels of school education. Illness experiences show a tendency to improve the understanding of illnesses in younger children.The results indicate that the competencies of grade 4 or 5 children may be sufficient to take part in easy decisions about participating in a clinical trial.Dependent on the type of school and the presence of illness experiences, these competencies may be acquired even earlier.
Conclusion. This study has,however, to be seen as a pilot study and additional steps are needed to come to an improved interview version about the competencies of children in understanding illnesses and their consequences.

Schlüsselwörter Einwilligungsfähigkeit von Kindern - Medikamentenstudien - Krankheitskonzepte - Krankheitserfahrungen

Keywords Assent from children - Clinical trials - Conceptions about illness - Illness experiences

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