Die Zulassung von Generika für die ersten beiden der so genannten neuen Antiepileptika (Gabapentin und Lamotrigin) ist für
die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) Anlass, in Ergänzung zu einem früheren Kommentar zur „Aut-idem“-Problematik
aus medizinischer Sicht erneut zum Einsatz von Generika in der Therapie mit Antiepileptika Stellung zu nehmen. Bei einer Neueinstellung
oder ohnehin erforderlichen Umstellung einer antiepileptischen Therapie können sie meist problemlos eingesetzt werden. Bei
bestehender Einstellung mit Anfalls- und Nebenwirkungsfreiheit sollte ein unbedachter Wechsel von Originalpräparat zu Generikum,
von einem Generikum-Präparat zu einem anderen oder von einem Generikum auf ein Originalpräparat unterbleiben. Die DGfE empfiehlt
deswegen sowohl entsprechende Angaben auf dem Rezept (Ankreuzen des „aut idem“-Kästchens oder Angabe bzw. Stempel „keine Substitution“)
als auch eine Information der Betroffenen oder ihrer Angehörigen. Die mit dem Wechsel zwischen verschiedenen Fertigarzneimitteln
eines Wirkstoffs verbundenen Risiken müssen sowohl aus Sicht des behandelnden Arztes als auch aus Sicht der Betroffenen vertretbar
gering sein. Bei Anfalls- und Nebenwirkungsfreiheit müssen Betroffene vor einer geplanten Umstellung über das Risiko eines
Anfallsrezidivs bzw. von neu auftretenden Nebenwirkungen informiert werden und ihre Zustimmung geben. Ansonsten setzt sich
der Arzt bei auftretenden Problemen Schadensersatzansprüchen aus.
The approval of generic preparations for the first two of the so-called new antiepileptic drugs (AEDs; gabapentin and lamotrigine)
is reason for the German Society for Epileptology (Deutsche Gesellschaft für Epileptologie; DGfE) to comment from a medical
point of view on the usage of generics as AEDs once more in addition to an earlier paper regarding the “aut idem” problem.
Generic preparations can in general be used without problems for the initial treatment or for alternative therapy with AEDs
if a switch is considered anyhow due to insufficient efficacy or tolerability. However, patients with freedom from seizures
and side effects should not be switched unfoundedly from a branded to a generic preparation, between different generics or
from an generic to a branded preparation. Therefore, the DGfE recommends correspondent statements on the prescription (crossing
of the “aut idem” field or inscription/stamp “no substitution”) as well as informing the patients or their relatives. The
potential risks related to switches between different AED preparations with the same active ingredient have to be reasonably
low in view of the physician and the patient. If a switch is considered, the patients have to be informed about the risks
of seizure recurrence or reduced tolerability and asked for their consent. Otherwise the physician is liable to damage claims
in case of occurring problems.
Schlüsselwörter Generika - Antiepileptika - Aut idem
Key words Generic preparations - antiepileptic drugs - aut idem
Danksagung: Für die Beratung bei juristischen Aspekten geht unser Dank an Frau Dr. Monika Günther (München) und Herrn Priv.-Doz.
Dr. Christian Dierks (Berlin)
Erstabdruck in der Aktuellen Neurologie (2005) 32:275–278