Hintergrund
Die HIV-Pandemie im Südosten Afrikas stellt eine große Herausforderung für die personal- und finanzschwachen Gesundheitssysteme
der betroffenen Länder dar. So ist bei ophthalmologischen Patienten in Malawi ein deutlicher Anstieg HIV-assoziierter Tumorerkrankungen
festzustellen. In der vorliegenden Studie wurde die Häufigkeit bösartiger Augentumoren (insbesondere Bindehautkarzinome) anhand
des Patientenguts der einzigen Augenklinik im Süden Malawis untersucht.
Methoden
Anhand der Operationspläne und Krankenakten der Augenabteilung der medizinischen Fakultät der University of Malawi wurde die
jährliche Anzahl der wegen Bindehautneoplasien operierter Patienten für den Zeitraum von 1989–2006 erfasst. Prospektiv wurde
49 konsekutiven Patienten mit malignen Augentumoren ein HIV-Test angeboten.
Ergebnisse
Die Anzahl der malignomverdächtigen Veränderungen der Bindehaut nahm von 32 Fällen im Jahre 1989 auf 467 im Jahr 2006 zu.
80% (39/49) der Patienten mit malignen Augentumoren wiesen ein Bindehautkarzinom oder eine konjunktivale intraepitheliale
Neoplasie (CIN) auf. 76% der Patienten mit Bindehautkarzinomen waren HIV-positiv.
Zusammenfassung
Im Süden Malawis ist das Bindehautkarzinom im untersuchten Patientengut inzwischen der mit Abstand häufigste maligne okuläre
Tumor. Die Inzidenz scheint im Verlauf von 18 Jahren – parallel zum Anstieg der HIV-Infektionsrate – dramatisch angestiegen
zu sein.
Background
The HIV pandemic in Southeast Africa is a challenge to the poorly staffed and poorly financed health systems of the affected
countries. A dramatic increase of HIV-associated ocular malignancies has been observed in Malawi. This study investigated
the frequency of malignant ocular tumours at the only eye hospital in the south of Malawi.
Methods
A retrospective analysis of all patients who underwent removal of conjunctival growth suspicious for malignancy was performed
for the period from 1989 to 2006. In addition a consecutive group of 49 patients with malignant ocular tumours was offered
an HIV test.
Results
The number of patients undergoing surgery for suspected ocular surface squamous neoplasia (OSSN) increased from 32 cases in
1989 to 467 in 2006. Of the patients with malignant ocular tumours, 80% (39 of 49) had OSSN, and 76% of the patients with
OSSN were HIV positive.
Conclusions
OSSN has become the most frequent malignant ocular tumour in the south of Malawi. The incidence of OSSN seems to have increased
dramatically from 1989 to 2006 – in parallel to increasing HIV infection rates.
Schlüsselwörter HIV - Augentumoren - Malawi - Bindehautkarzinome - Konjunktiva - Aids
Keywords HIV - Ocular tumours - Malawi - Ocular surface squamous neoplasia - Conjunctiva - Aids