Hintergrund und Ziel:
Die helikale Tomotherapie wurde im Juli 2006 in der radioonkologischen Abteilung der Universitätsklinik Heidelberg in die
klinische Routine eingeführt. Diese Arbeit soll die Erfahrungen der ersten 150 mit helikaler Tomotherapie behandelten Patienten
beschreiben. Die Selektion der Patienten, Zeitaufwand, täglicher Gebrauch der Bildführung mittels Megavolt-(MV-)CT sowie die
Qualität der Bestrahlungspläne sollen untersucht werden.
Patienten und Methodik:
Zwischen Juli 2006 und Mai 2007 wurden 150 Patienten mittels helikaler Tomotherapie im Universitätsklinikum Heidelberg behandelt.
Das mittlere Alter betrug 60 Jahre mit einem Minimum von 30 Jahren und einem Maximum von 85 Jahren. 79 der Patienten erhielten
eine Radiotherapie als Teil einer multimodalen Behandlung prä- oder postoperativ, 17 Patienten wurden einer kombinierten Radiochemotherapie
unterzogen. 76% wurden in kurativer Absicht therapiert. Orte der Radiotherapieapplikation waren zentrales Nervensystem (n
= 7), Kopf/Hals (n = 28), Thorax (n = 37), Abdomen (n = 58) und Skelettsystem (n = 20). Die häufigsten Tumorentitäten waren
Prostatakarzinome (n = 28), Mammakarzinome (n = 17), gastrointestinale Tumoren (n = 19), Pharynxkarzinome (n = 14), Lymphome
(n = 13), Metastasen (ossär n = 14, hepatisch n = 6, pulmonal n = 4, Lymphknoten n = 2), Sarkome (n = 8), maligne Pleuramesotheliome
(n = 5), Ovarialkarzinome, die mittels Ganzabdomenbestrahlung behandelt wurden (n = 4), Bronchialkarzinome (n = 3), Hautmalignome
(n = 3), Chordome (n = 2), Meningeome (n = 2), ein Ependymom und ein Medulloblastom, welche mittels Neuroachsenbestrahlung
behandelt wurden, sowie andere Histologien (n = 4). Neun Patienten erhielten eine radiochirurgische Therapie in einer einzelnen
Fraktion, neun Patienten eine bildgeführte spinale Rebestrahlung, und zwölf Patienten wurden an multiplen Targets gleichzeitig
behandelt. Ein prätherapeutisches MV-CT wurde in 98,2% der 3 026 applizierten Fraktionen durchgeführt, und nach dem Matching
wurden hierauf basierend Korrekturen für Translationen und Rotation um die Longitudinalachse („roll“) durchgeführt.
Ergebnisse:
Für die beschriebenen Tumorentitäten betrug die durchschnittliche Zeit auf dem Bestrahlungstisch bei fraktionierter Bestrahlung
24,8 min, die durchschnittliche Nettobehandlungszeit 10,7 min. Der mittlere Korrekturvektor nach MV-CT-Matching lag bei 6,9
mm. Mittels helikaler Tomotherapie war es möglich, hochkonformale Dosisverteilungen für Zielvolumina aller Größen oder multiple
Zielvolumina in einer einzelnen Bestrahlungsprozedur zu erzielen. Dabei erlaubte die tägliche Bildführung mittels MV-CT eine
sichere Positionskorrektur und präzise Durchführung der Therapie. Dies war auch möglich, wenn eine gewünschte Immobilisation
aufgrund von Platzangst, Adipositas, Schmerzen oder neurologischer oder orthopädischer Begleiterkrankungen nicht vorgenommen
werden konnte.
Schlussfolgerung:
Helikale Tomotherapie und tägliche Bildführung mittels MV-CT konnten schnell und erfolgreich in die klinische Routine eingeführt
werden. Diese Technik ermöglicht die präzise und schonende Behandlung von Standardfällen mittels intensitätsmodulierter Strahlentherapie
(IMRT) und eröffnet neue Behandlungsoptionen für schwierige Fälle.