2009, III, 255-286, DOI: 10.1007/978-3-531-91781-8_10

Bürokratie zwischen „traditioneller Rationalität“ und „rationaler Tradition“. Max Weber, Preußen und die Rationalität soziologischer Rationalitätstypen

Joachim Renn

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Abstract

Die organisationssoziologische Forschung nach Weber nötigt zu dem Resümee: Bürokratie „ist“ kein formaler Apparat der linearen Durchreichung zentraler Entscheidungen und Programme auf die lokale Ebene multipler Situationen der Anwendung. Die Praxis jeder (verhältnismäßig effizienten und deshalb relativ überlebensfähigen) Verwaltung wird, wenn auch in fallspezifisch wechselnder Weise, stets durch nicht formale Faktoren mitbestimmt (Roethlisberger/Dickson 1961). Aber diese Faktoren - darin liegt die entscheidende Pointe - sind der „Rationalität“ der Verwaltung keineswegs abträglich, sondern sie sind vielmehr notwendige Ressourcen zur Kompensation komplexitätsbedingter Nebenfolgen und Abweichungen auf dem Weg von generellen Zielvorgaben zu lokalen Verwaltungsakten. Nach einiger Erfahrung mit bürokratischen Apparaten und ihren Modifikationen spricht vieles dafür: (Verhältnismäßig) effiziente Verwaltungen weichen nicht nur empirisch vom Idealtypus der hierarchischen Determination massenhaften Verwaltungshandelns ab, sondern sie würden im Zuge von Reformversuchen im Sinne der geplanten Annäherung an den Weber’schen Idealtyp an Rationalität einbüßen, weil die Nebenfolgen der Durchsetzung linearer Steuerungsmechanismen das Ziel der hierarchischen Steuerung mit Notwendig-keit boykottierten (zu Nebenfolgen im Sinne des „moral hazard“: Spence/Zeckhauser 1971).

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