Volume 2, Number 2, 162-197, DOI: 10.1007/BF00379158

Freilandstudien zur Biologie und Ökologie von Panaxia quadripunctaria (Lepidoptera, Arctiidae) auf der Insel Rhodos

Reinhard Elger

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Abstract

Die Arbeit berichtet über 15monatige Freilandarbeiten an der Arctiide Panaxia quadripunctaria Poda auf der Insel Rhodos. Im Mittelpunkt stehen Studien über das Zustandekommen des bekannten Massenauftretens im ldquoTal der Falterrdquo von Petaloudes.
2.  Außerhalb von Petaloudes konnten weitere Falterbiotope auf Rhodos gefunden werden, in denen Panaxia quadripunctaria in geringerer Populationsdichte auftritt.
3.  Durch Massenmarkierung von Faltern in Biotopen auf Rhodos ließ sich zeigen, daß die Schmetterlinge ihre Lebensräume verlassen und nach Petaloudes einwandern. Im Juni und Juli findet der Einflug in Petaloudes statt; der Massenauftritt der Falter kommt allein durch Immigration zustande. Im August ist Panaxia nur in Petaloudes anzutreffen, die anderen Biotope weisen dann kaum noch Falter auf. Ab Ende September erfolgt die Rückwanderung in die ursprünglichen Lebensräume, die oft beobachtet, aber mit Markierungen (noch) nicht bestätigt werden konnte.
4.  Im September paaren sich die Falter im Tal von Petaloudes. Die Eiablage konnte kurze Zeit später nur in Primärlebensräumen beobachtet werden.
5.  Alle Schmetterlinge wandern sowohl auf dem Hin-als auch auf dem Rückflug einzeln. Die Migrationen finden nur in den Nächten statt. Olfaktorische Reize könnten eine Rolle bei dem Hinflug nach Petaloudes spielen.
6.  Die Markierungen ließen erkennen, daß Falter vor dem Hinflug nach Petaloudes auch zwischen den Primärlebensräumen wechseln können.
7.  In den Rahmen der bisher bekannten Wanderfalter läßt sich Panaxia quadripunctaria nicht einordnen. Ein Verleich mit anderen Wanderinsekten ergibt, daß Panaxia ein Wanderer eigener Prägung ist.
8.  In den letzten Tagen des Juli erfolgte eine Entvölkerung des unteren Talabschnittes im Sekundärbiotop. Alle Falter wandern in den höher gelegenen Teil des Tales und bilden mit den dort bereits vorhandenen Schmetterlingen eine noch dichtere Population. Der Grund für diese interne Wanderung von Panaxia in Petaloudes ist unbekannt.
9.  Im Sekundärbiotop Petaloudes halten sich die Männchen hauptsächlich auf Ruheplätzen in Bodennähe auf. Mit zunehmender Entfernung vom Talboden nimmt die Zahl der Weibchen zu. In den höheren Lagen der Bäume findet man in Überzahl Weibchen vor.
10.  Panaxia bewohnt Lebensräume, die sich sowohl durch ihren Habitus als auch durch ihr Klima unter Einschluß des Lichts deutlich von der Umgebung abheben. Die Biotopränder scheinen am Tage, zur Zeit des großen Unterschieds zwischen Makro- und Standortklima, ökologische Grenzen darzustellen, da sie in dieser Zeit nie von den Schmetterlingen überschritten werden. Erst in der Nacht, wenn sich die Klimata einander angeglichen haben, breiten sich die Falter aus.
11.  Bei dem Pflanzenangebot in den Biotopen ist die Nahrungsfrage für die polyphagen Raupen kein Problem. Die Imagines konnten selten bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden. In den Lebensräumen ist ein geringes oder überhaupt kein Futterangebot für die Falter vorhanden. Es besteht der Verdacht, daß Panaxia in ihrer Imaginalzeit keine Nahrung benötigt. Er wird gestützt durch Versuche, in denen Imagines etwa 3 Monate ohne Futter gehalten werden konnten.
12.  Es wurden abiotische und biotische Begrenzungsfaktoren gefunden, deren zahlenmäßige Bedeutung nicht erfaßt werden konnte (Feinde, Regengüsse).
13.  Die bisher nicht gefundenen Metamorphosestadien von Panaxia konnten in den Primärlebensräumen auf Rhodos beobachtet und in ihrer Entwicklung beschrieben werden: Die Eientwicklung dauert 8–15 Tage. Den größten Abschnitt ihres Lebens verbringt Panaxia als Raupe, ca. 6 Monate. In dieser Zeit macht das Tier von der Jung- zur Altraupe 5 Häutungen durch. Die sich anschließende Puppenzeit dauert etwa 1 Monat.
14.  Die Imagines zeigen Unterschiede in Größe, Flügelmuster und Grundfarbe der Flügel. Nicht selten finden sich Falter mit zwei verschieden gefärbten Vorderflügeln.
1.  The paper covers a fifteen-month-study on the Island of Rhodes concerning the arctiid Panaxia quadripunctaria Poda, with particular reference to factors including the well-known mass meetings in the ldquoValley of Butterfliesrdquo of Petaloudes.
2.  Outside Petaloudes, several habitats with less dense populations of Panaxia were found.
3.  Extensive marking of butterflies proved that they emigrate from their primary habitats to Petaloudes in June and July each year. The extreme population density in Petaloudes results only from this immigration. In August, Panaxia is only found in Petaloudes, the other habitats no longer hold any population. In September, the remigration into the primary habitats was often noticed, but not vet confirmed by marked butterflies.
4.  In September the butterflies copulate in the valley of Petaloudes, after which they return to their primary habitats where the females lay their eggs.
5.  All butterflies participate in the migrations, but each one flies as a single individual; there is no group flight. The migrations take place at night only. Olfactory clues might work during the flight to Petaloudes.
6.  Marked butterflies indicated that they may change their primary habitats before flyving to Petaloudes.
7.  Each year, during the last days of June, all butterflies of the lower part of Petaloudes migrate towards the upper sections thus increasing the population already present there. The cause of this migration within the valley is unknown.
8.  In the valley of Petaloudes the male butterflies favour resting-places near the ground, while the number of females increases with above the bottom of the valley. High up in the trees the females outnumber the males distinctly.
9.  The habitats of Panaxia differ markedly from their surroundings by climate, light conditions and some other general factors. The striking difference between the surrounding climate and that of habitat during the day seems to function as an ecological barrier. Only at night, when the climatic differences decrease, the butterflies leave the habitats.
10.  For the polyphageous caterpillars nutrition presents no problem because of the abundant flora in their habitats. Feeding butterflies were only rarely noticed. Judging from experiment with butterflies kept alive for abount 3 months without any food, Panaxia possibly needs no food during its adult stage.
11.  There are several abiotic and biotic factors that influence the mortality (floods, enemies etc.), but their relative effects could not be ascertained.
12.  In the primary habitats of Rhodes the hither to unknown ontogeny of Panaxia has been followed through one year: The development of eggs lasts from 8 to 15 days. The caterpillar-stage lasts 6 months. There are 5 moults. The following chrysalis stage lasts about 1 month.
13.  The butterflies show differences in size, pattern and basic colour of the wings. Rather frequently the forewings of the same individual are differently coloured.

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