Die Verordnungsstruktur der Psychopharmaka hat sich in den letzten 10 Jahren auffällig verändert. Die Verordnungen der früher
führenden Tranquillantien sind seit vielen Jahren rückläufig, haben sich aber 2005 stabilisiert. Umgekehrt haben sich die
Antidepressivaverordnungen in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Dieser Trend setzte sich 2005 durch die Anstiege insbesondere
bei den nicht selektiv wirkenden Antidepressiva fort (+16%). Die Verordnungszunahme bei dem teuren Venlafaxin (Trevilor) betrug sogar 25%. Zunehmende Indikationsausweitungen dürften für diese Entwicklung eine wesentliche Rolle spielen. Demgegenüber
haben sich Neuroleptika auf fast konstantem Niveau gehalten. Allerdings haben sich die Verordnungen atypischer Neuroleptika
weiter kräftig erhöht (+17%), während klassische hochpotente Neuroleptika weniger eingesetzt wurden (−1%). Beträchtlich zugenommen
haben wiederum die Verordnungen von Psychostimulantien einschließlich des neu eingeführten Atomoxetins. Pflanzliche Psychopharmaka
haben sich 2005 nach dem starken Verordnungsrückgang des Vorjahres wieder etwas erholt.