Eine für die europäische Reflexion auf das Sprechen und Schreiben außerordentlich wirkungsmächtige Unterscheidung, diejenige
zwischen Grammatik und Rhetorik, wird gewöhnlich als selbstverständlich vorausgesetzt, bemerkenswert selten als solche diskutiert.
Der vorliegende Aufsatz rekonstruiert, wie Quintilian in seiner
Institutiodiese Grenze zu ziehen versucht, um 'Fehler' (pejorativ bewertete, grammatische Abweichungen) von 'Figuren' (positiv bewertete,
rhetorische Abweichungen) zu unterscheiden. Diese Lektüre wurde entscheidend von zwei Romanen aus Afrika angeregt, von denen
der eine - Amos Tutuolas
Palm-Wine Drinkard- nach den Prämissen der europäischen Sprechordnung korrigiert wurde, während der andere - Ken Saro-Wiwas
Sozaboy- mit seinerseits eigenwilligen sprachlichen Mitteln bewußt macht, welches Machtpotential schon die Grammatik, nicht erst
die Rhetorik, besitzt.