2008, Kapitel 3, 79-94, DOI: 10.1007/978-3-531-91094-9_5

Die Laien kommen! Wirklich? Eine Untersuchung zum Rollenselbstbild sogenannter Bürgerjournalistinnen und Bürgerjournalisten

Mirjam Kopp and Philomen Schönhagen

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Abstract

Diverse Massenmedien, wie z.B. der Stern, die Netzeitung und Bild in Deutschland oder der Blick in der Schweiz, rufen ihre Leser dazu auf, per SMS, MMS, E-Mail oder Telefon als Amateurreporter oder -fotografen tätig zu werden. Auch die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) kündigte Anfang 2007 an, künftig bei der Informationsbeschaffung „Bürgerjournalisten“ einzusetzen (o.V. 2007). Davon verspricht man sich wohl einerseits exklusive Bilder und Meldungen, wie sie etwa nach dem Tsunami Weihnachten 2004 oder den U-Bahn-Anschlägen in London 2005 im Internet kursierten. Andererseits kann eine solche Beteiligung sicher auch der Leser-Blatt- (bzw. Nutzer-Anbieter-)Bindung dienen. Diese Einbindung des Publikums in die Produktion von Medieninhalten ist allerdings — was in der Diskussion meist vergessen wird — keineswegs ein neues Phänomen. Bereits im 19. Jahrhundert war dies ein höchst erfolgreiches Konzept im Lokaljournalismus (vgl. Schönhagen, 1995; Groth, 1962). Während heute jedoch die Zulieferungen meist kaum sichtbar sind oder, ähnlich wie Leserbriefe, in spezielle SMS-Spalten u.ä. ‘verbannt’ werden (z.B. „dein SMS“ in der Aargauer Zeitung), waren damals die als ?Eingesandt’ bezeichneten und meist auch so gekennzeichneten Beiträge der Leser bzw. Bürger ganz selbstverständlicher und teilweise sogar prominenter Bestandteil des regulären redaktionellen Teils. In vielen Lokalteilen des deutschen Sprachraums entfalteten sich auf der Basis dieser Einsendungen lebhafte Diskussionen um die je aktuellen lokalen Themen wie z.B. mangelnde Straßenbeleuchtung, den Eisenbahnbau, Theateraufführungen, das Armenwesen, Bürgermeisterwahlen und vieles mehr, die von den Redakteuren nur gebremst wurden, wenn sie in Beleidigungen ausarteten.

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