Jacques Derrida gehört neben Gilles Deleuze und Michel Foucault zu den einflussreichsten Vertretern der neueren französischen
Philosophie und des Poststrukturalismus. Dieser ist für die Medientheorie von enormer Bedeutung, zum einen, weil ihre Autoren
selbst über konkrete Medien geschrieben haben (Literatur, Malerei, Film), zum anderen, weil sie einige fundamentale Konzepte
und Methoden medientheoretischen Denkens vorbereitet haben. Derridas Einfluss gründet sich vorwiegend darauf, dass er mit
dem inzwischen inflationär verwendeten Begriff der Dekonstruktion eine Methode der Textlektüre und -interpretation bereitstellt,
die weit in kultur- und medienwissenschaftliches Denken hineinreicht. Zugleich stellt Derridas Werk eine explizite Hinwendung
zu einer materialistischen Perspektive dar, die den metaphysischen Logozentrismus und die damit verbundene Medienvergessenheit
der abendlärdischen Philosophie über die Thematisierung des Verhältnisses von phonetischer Sprache und Schrift kritisiert.
Die frühen Werke Derridas wie „Die Schrift und die Differenz“ (1976, frz. 1967) sowie „Grammatologie“ (1983, frz. 1967) entwickeln diese doppelte Perspektive, die für das Gesamtwerk des französischen Philosophen von entscheidender
Bedeutung ist.