Hintergrund und Ziel:
Verschiedene therapie- und patientenbezogene Faktoren beeinflussen die Prognose von Glioblastompatienten. Das Ziel dieser
retrospektiven, explorativen Analyse war, die Rolle verschiedener Behandlungsstrategien und den Wert unterschiedlicher prognostischer
Parameter zu untersuchen.
Patienten und Methodik:
110 Patienten gingen in die Analyse ein. Eine komplette Resektion, eine partielle Resektion und eine Biopsie erhielten 69,
22 und 19 Patienten. Bei 56 Patienten wurde eine konventionell fraktionierte Bestrahlung mit 2 Gy täglich, mediane Gesamtdosis
60 Gy, und bei 54 Patienten eine hyperfraktioniert-akzelerierte Bestrahlung mit 2 × 1,8 Gy täglich, ad 54 Gy, durchgeführt.
Jeweils 20 Patienten erhielten simultan Temozolomid (50–75 mg/m2/d) oder Topotecan (0,5 mg/m2, kontinuierlich i.v. über 21 Tage). 37 Patienten erhielten eine Rezidivtherapie mit Temozolomid.
Ergebnisse:
Medianes Gesamtüberleben (OS) und rezidivfreies Überleben (DFS) lagen bei 8,7 und 4,8 Monaten. Nach kompletter Resektion,
partieller Resektion und Biopsie lag das OS bei 9,5, 8,5 und 5,5 Monaten. Nach alleiniger Radiotherapie, simultaner Temozolomid-
und Topotecanapplikation betrug das OS 8,5, 13,8 und 8,2 Monate. Die simultane Gabe von Temozolomid führte zu einer signifikanten
Risikoreduktion bezüglich des OS (Hazard-Ratio 0,29; p = 0,002) und des DFS (Hazard-Ratio 0,32; p = 0,003). Unter paralleler
Topotecangabe zeigte sich eine erhöhte Toxizität (45% Grad 3/4). Das OS lag nach hyperfraktionierter gegenüber konventionell
fraktionierter Radiotherapie signifikant niedriger (8,1 vs. 9,7 Monate; p = 0,003, Log-Rank-Test). Für Patienten mit einem
RPA-Score („recursive partitioning analysis“) von III, IV, V und VI lag das OS bei 14,1, 10, 9,5 und 5,8 Monaten (p = 0,003,
Log-Rank-Test). Eine Salvage-Therapie mit Temozolomid führte, univariat (p = 0,0001, Log-Rank-Test) wie auch multivariat (p
= 0,002) analysiert, zu einem signifikanten Überlebensvorteil (10,6 vs. 7,7 Monate).
Schlussfolgerung:
Eine parallele Topotecangabe oder eine Hyperfraktionierung führte in dieser retrospektiven Analyse nicht zu einer Prognoseverbesserung.
Unter simultanem Topotecan stieg die Toxizität deutlich an. Eine komplette Resektion sollte versucht werden. Temozolomid ist
ein wichtiger Bestandteil des Therapiekonzepts. Auch in der Rezidivsituation ist Temozolomid effektiv.