Das Trauern selbst ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Vorgang, der neben großer Belastung auch positive Erfahrungen
zulässt. Der Tod oder die dauerhafte Trennung von einem nahe stehenden Menschen ist das einzige kritische Lebensereignis,
für welches ein angeborenes Bewältigungsformat besteht. Das Trauern ist zugleich Ausdruck des Verlustes wie auch die Bewältigung
desselben. Der Verlust einer nahe stehenden Person oder eines Intimpartners fordert eine hohe Anpassungsleistung. Diese gelingt
nicht immer und in allen Fällen. Schätzungen zufolge sind in etwa 5–15% aller Trauerfälle Komplizierungen der Trauer zu erwarten
(Znoj 2004). Die Gründe sind ebenso vielfältig wie die Trauerformen selbst. Oft ergibt sich eine Komplizierung der Trauer
durch eine bestehende oder remittierte psychische Störung. Schätzungen zufolge beträgt bei komplizierter Trauer die Komorbidität
mit Depression 80%, mit generalisierter Angst 80% und mit Panikstörungen 36%.