Volume 14, Number 32, 1150-1153, DOI: 10.1007/BF01777914

Angina Pectoris und Zentralnervensystem
Die Psychopathia stenocardica

S. Wassermann

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Abstract

1.  Es wird auf einepsychische bzw.psychoneurotische Störung bei A. p.-Kranken hingewiesen, die mit einer erhöhtenAffektivität einhergeht, so daß schon gewöhnliche Alltagsreize nicht nur übersteigert beantwortet werden, sondern häufig zu völlig unmotivierten Aufregungszuständen, Konflikten, Wut- und Zornausbrüchen führen, die den Eindruck von Affektentladungen machen. Diese gehen mit einem auffallenden Spiel der Gefäße (starke Blässe oder Rötung des Gesichtes), Hyperhidrosis usw. einher.
2.  Dieser Zustand ist nicht — wie bisher angenommen wurde — nur Vorläufer oder prädispositioneller Faktor der A. p., sondern kann auch derenFolge sein; denn einerseits betrifft er bis dahin seelisch völlig Gesunde, oder aber eine bereits bestehende Neurose erfährt durch die A. p. eine merkliche Verschlimmerung. Es handelt sich demnach nicht um eine Neurobzw. Psychopathiebei A. p., vielmehr um einanginöses Krankheitszeichen: diePsychopathia anginosa seu stenocardica.
3.  Die Entstehungsweise dieses Symptoms wird durch Rückwirkung vonKreislaufreizen (Herz-Aorta, Pressoreceptoren usw.) auf ldquorhöhereldquo Zentren (Cortex cerebri) im Sinne derIrradiation autonomer Reflexe — B.Kisch 22 gedeutet, wobei das Großhirn ldquorErfolgsorganldquo des Reflexgeschehens wird.
Diese pathogenetische Auffassung wird durch die neuen tierexperimentellen Forschungsergebnisse von W. R.Hess 23,Eb. Koch 24, A.Schweitzer 25 zu stützen versucht, die eine Wechselwirkung zwischen vegetativem und zentralem Nervensystem als gesichert erscheinen lassen.
4.  Es wird die Frage nach einem ähnlichen (reziproken) nervösen Mechanismus auch für andere Herzgefäßleiden als die A. p. sowie für solcheVisceralleiden, die mit einer deutlichen Beteiligung desvegetativen Nervensystems einhergehen, aufgeworfen (z. B. Asthma bronchiale, dessen Beziehung zu den Pressoreceptoren).

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